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Aktueller Reisebericht

Reisebericht Nicaragua Februar / März 2017

Reiseteilnehmer:

- Dr. Dieter Emmert (Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie, Orthopraxis, Ebersbach)
- Dr. Peter Trus (Facharzt für Orthopädie, OrthoCentrum Saale)

Samstag, 25.02.2017
Nach 18-stündiger Flugreise Ankunft am internationalen Flughafen in Managua und Check-In im Best Western Hotel gegenüber des Flughafens. Etwa eine Stunde später trifft auch Dr. Trus ein. Nach einem Abendessen und entspannenden Bier können wir am nächsten Morgen zunächst einmal ausschlafen. Mein Koffer ist zur Hälfte gefüllt mit Arthroskopiematerialien, die zum Teil für Puerto Cabezas und zum Teil für Oscar Espinoza in Jinotepe bestimmt sind. In den Wochen zuvor waren die umfangreichen Formalitäten für den Zoll mit zahlreichen E-Mails erfüllt worden. So konnte ich das gesamte Material im Gegensatz zum Vorjahr, als ich die Sachspenden für die Zeit unseres Aufenthaltes am Flughafen gegen Gebühr deponieren und beim Rückflug wieder nach Hause nehmen musste, problemlos nach Nicaragua einführen.

Sonntag, 26.02.2017
Mit einem Mietwagen fahren wir nach Granada, um noch einmal den dortigen Orthopäden Cesar zu treffen, mit dem wir ggf. gemeinsam ein Arthroskopie-Projekt in Granada initiieren möchten. Nach einem Bummel durch die koloniale Altstadt fahren wir zurück nach Managua.

Montag, 27.02.2017
Wir müssen sehr früh aufstehen, da der Flug nach Puerto Cabezas um 6:00 Uhr in der Früh geht und wir bereits um 5.00 Uhr am Flughafen sein müssen. Oscar hatte mir am Samstagabend die bei ihm gelagerte „Black Box“ mitgebracht, in der das Instrumentarium für Kreuzbandplastiken verwahrt. Wie immer beim Flug mit dem einmotorigen, 10-sitzigen Flugzeug werden Passagiere und Gepäck am Flughafen gewogen, wir müssen daraufhin 80 Dollar Gebühr für Übergepäck nachbezahlen. Nach 1,5 h Ankunft in Puerto Cabezas, Ernesto holt uns am Flughafen ab. Wir bringen unser Gepäck zum Hotel, das von einer Deutschen betrieben wird. Leider gibt es ein „kleines Wasserproblem“ für die Woche. Gegen 10:00 Uhr erreichen wir das Krankenhaus und beginnen mit der Sprechstunde. Es warten knapp 100 Patienten auf uns, die sich Hilfe für ihre Schmerzen an Knien und Schultern erhoffen. Für die wenigen Tagen, die uns für die Operationen zur Verfügung stehen, wählen wir 30 Patienten aus und verteilen sie auf die einzelnen OP-Tage. Nachmittags fangen wir mit den ersten Operationen an. An diesem Tag wie auch an den folgenden Tagen operieren wir jeweils bis es draußen bereits dunkel ist. Am Abend gehen wir mit Ernesto in ein Restaurant am Meer, wo wir frische Meeresfrüchte essen.

Dienstag, 28.02.2017 - Donnerstag, 1.03.2017
Nach kalter Dusche (warmes Wasser gibt es nicht!) und einem knappen Frühstück fangen wir um 8.00 Uhr mit den Arthroskopien an. Geplant sind für heute wie an den beiden Folgetagen Meniskus-Operationen sowie jeweils 2 Rekonstruktionen des vorderen Kreuzbandes. Ernesto hatte im zurückliegenden Jahr Gelegenheit, seine Fertigkeiten bei Arthroskopien zu vertiefen mittels des ihm von uns zur Verfügung gestellten Arthroskopieturms, des erforderlichen Instrumentariums und der in diesem Zusammenhang benötigten Einmalartikel wie bspw. Abdeckmaterialien, Zulaufschläuche etc. Wir assistieren Ernesto bei den meisten Eingriffe und stellen mit Freude fest, dass sich unser Engagement in Puerto Cabezas gelohnt hat. Bei 4 Patienten wurden bei den Arthroskopien Frakturen festgestellt, die auf den schlechten Röntgenbildern nicht zu sehen waren. Bei diesen Patienten führen wir Osteosynthesen unter Verwendung des Röntgenbildwandlers, den wir im Jahr zuvor von Spendengeldern gekauft und nach Puerto Cabezas verschifft hatten.

Am Donnerstag in der Mittagspause führt uns Ernesto durch das Krankenhaus. Wir sind beeindruckt von den primitiven, katastrophalen Verhältnissen in allen Bereichen, angefangen bei der Laborausrüstung über den Röntgenapparat und die Ausrüstung in den Krankenzimmern. Im Jahr zuvor hatten wir 8 ausrangierte Krankenbetten aus der Klinik am Eichert, Göppingen, verschickt, so dass wenigstens einige Patienten in Betten liegen können und nicht auf Holzpritschen oder verrosteten Metallgestellen liegen müssen.

Freitag, 2.03.2017
Wir nehmen morgens unser Gepäck mit in das Krankenhaus und nach 3 weiteren Arthroskopien ist unser Einsatz für dieses Mal beendet. Vor dem Abflug nach Managua trinken wir bei Ernesto noch zu einer Abschlussbesprechung und trinken mit ihm und seiner Familie zusammen Kaffee. Um 17:00 Uhr landet die einmotorige Maschine in Managua. Abends treffen wir uns mit Dr. Dino Aguilar und Oscar Espinoza, mit denen ich das Arthroskopieprojekt vor nunmehr 10 Jahren injiziert habe. Oscar hat mittlerweile in Jinotepe ein richtiges Arthroskopie Zentrum etabliert mit großem Zulauf aus der weiteren Umgebung.

Samstag, 3.03.2017
Rückflug nach Stuttgart. Ankunft am Sonntag, 04.02.2017 am Flughafen Stuttgart, wo mich meine Frau erwartet.

Reisebericht Nicaragua im November 2016

Reiseteilnehmer:

- Dr. Johannes Kolbe, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
- Dr. Dieter Emmert, Facharzt für Chirurgie, Orthopädie, Unfallchirurgie
- Dr. Hartmut Maier, Ingenieur für Klimatechnik
- Frau Daniela Emmert, Dokumentation
- Frau Andrea Kolbe, Apothekerin
- Frau Karin Maier, Krankenschwester, Schwerpunkt Krankenhaushygiene

Freitag, 28. Oktober 2016
Abflug mit Delta von Stuttgart über Atlanta nach Managua, wo wir gegen 20 Uhr abends ankommen. Im Gegensatz zu unserem letzten Aufenthalt im Februar diesen Jahres passiert unser Gepäck mit OP- Instrumenten, Einmalartikel und Ankern für Schulteroperationen problemlos den Zoll. Außer den geplanten arthroskopischen Operationen ist vorgesehen, dass Dr. Maier die Klimatisierung in den Krankenhäusern in Augenschein nimmt und Verbesserungen in Hinsicht auf Wartung und Pflege der Anlagen unter besonderer Berücksichtigung der Hygiene vorschlägt, Frau Maier mit dem Pflegepersonal auf Station und im OP Verbesserungen der Hygiene zum Schutz der Patienten, aber auch zum Selbstschutz des Personals bespricht und entsprechende Einweisungen gibt ( saubere Hände!), Frau Kolbe Ordnung und Systematisierung der Krankenhausapotheken vornimmt.

Samstag, 29. Oktober 2016
Wir nehmen die beiden Pickups bei der Autovermietung in Empfang und fahren zunächst nach Granada am Lago de Nicaragua, um den Mitreisenden, die erstmalig in Nicaragua sind, einen Eindruck von dem Land zu verschaffen. Es ist der Abend von Halloween und in den Straßen von Granada wird mit Masken und viel Lärm und lauter Musik gefeiert.

Sonntag, 30. Oktober 2016
Nach einem kurzen Besuch am Lago de Nicaragua fahren wir weiter nach Estelí im Norden Richtung Grenze zu Honduras. Wir benötigen länger als geplant und müssen die letzte Stunde im Dunkeln fahren, bei den lateinamerikanischen Verkehrsverhältnissen manchmal ein riskantes Unterfangen. In Estelí erwartet uns Dr. Uriel Diaz an einer Tankstelle und wir checken im Hotel ein, ganz ordentlich mit heißer Dusche und passablem Restaurant. Wir besprechen mit Uriel die Planung des nächsten Tages, die Patienten für die Operationen sind so einbestellt, dass Dr. Kolbe und ich den ganzen Tag im OP sein werden, die anderen Reiseteilnehmer wie vorgesehen sich mit der Krankenhaushygiene, der Klimatisierung, der Apotheke und der Dokumentation beschäftigen.

Montag, 31.Oktober 2016
Um 8 Uhr fängt das OP- Programm an, Uriel hatte versprochen, dass die Wechselzeiten zwischen den OPs nicht mehr als 15 Minuten dauern werden, was jedoch sich manchmal auf 45 Minuten ausdehnt, weil die Instrumente nicht sterilisiert sind oder das Personal eine Pause benötigt. Uriel hatte im Vorfeld eine gute Auswahl von Patienten mit Instabilitäten der Schulter und der Kniegelenke getroffen. Wir assistieren Uriel soweit wie möglich die OPs, und wir können feststellen, dass er gute Fortschritte gemacht hat und auch schwierigere OPs am Knie wie Kreuzbandplastiken selbständig und sicher durchführen kann. Wir operieren gemeinsam einige Schulterinstabilitäten nach mehrfacher Luxation( Verrenkung), hier ist noch Lernbedarf für Uriel. Ich denke, dass in Nicaragua diese Schulterinstabilitäten sehr häufig sind und die Patienten von einer gelungenen OP sehr profitieren, weil sie nicht mehr befürchten müssen, dass bei jedem Hochheben des Armes die Schulter auskugelt.

Dienstag, 1.November 2016
Auch heute wieder gedrängtes OP- Programm, wir wollen spätestens um 15.00 Uhr nach Jinotepe fahren, um nicht in die Dunkelheit zu kommen. Wegen des dichten Verkehrs auf der Panamericana müssen wir dann doch die letzte Stunde im Dunkeln fahren, und das dann auch bei einem heftigen Wolkenbruch. Die nächsten Tage werden wir in Jinotepe verbringen, im Hotel in Diriamba kennt man uns schon von zahlreichen vorausgegangenen Aufenthalten.

Mittwoch, 2.November 2016
Beginn unserer Arbeit im Krankenhaus, die Ehefrau des Präsidenten Daniel Ortega, Rosario Morillo, hat den 2. November zum Feiertag erklärt, weshalb das Krankenhauspersonal eigentlich einen freien Tag hat, aber Oskar konnte organisieren, dass wir im OP und unsere Begleiter in ihren Bereichen- Klimatechnik, Apotheke, Krankenhaushygiene jeweils Krankenhausmitarbeiter zur Seite hatten. Oscar hat ein anspruchsvolles OP- Programm vorbereitet, sodass für die nächsten drei Tage neben vorderen Kreuzbandplastiken und Schulterstabilisierungen auch drei Operationen von hinteren Kreuzbändern anstehen. Hintere Kreuzbandverletzungen sind in Deutschland eine ausgesprochene Rarität, wahrscheinlich sind in Nicaragua die zahlreichen Motorradunfälle mit großer direkter Gewalteinwirkung auf das Knie ursächlich.

Donnerstag, 3.November 2016
Wie am Vortag volles OP- Programm bis zum Abend. Eigentlich hatten wir gehofft, im Anschluss an das OP- Programm zum Pazifikstrand fahren zu können, aber als wir endlich fertig waren, ist es schon dunkel geworden. Abends treffen wir uns zu einem letzten Austausch mit Oscar. Die 4 Paletten mit OP- Ausrüstung, einem Arthroskopieturm, Abdeckmaterialien, Ankern für Schulterstabilisierungen usw., die wir vor einigen Wochen aus Deutschland verschifft hatten, sind in Managua angekommen und müssen in den nächsten Tagen vom Agenten der Spedition durch den Zoll gebracht werden. Wir können mit Freude feststellen, dass sich unsere Bemühungen über die Jahre, Oscar zum versierten Arthroskopeur zu machen, gelohnt haben. Er macht routiniert und zügig die Eingriffe, sodass er nur noch ein wenig Input für Schulter-OPs braucht. Mittlerweile hat es sich in der Region herumgesprochen, und die Patienten kommen mit ihren Knie- und Schulterproblemen aus einem weiten Umkreis zu ihm zur operativen Versorgung.

Freitag, 4.November 2016
Letzter OP- Tag in Jinotepe. Oscar hat für heute 2 vordere Kreuzbandoperationen, eine Schulterstabilisierung und eine Epiphysiodese zur Achskorrektur bei einem 10- jährigen Mädchen mit starkem X- Bein vorgesehen. Zwischen den OPs stellt er uns wie auch an den vorausgegangenen Tagen Patienten mit Knie und Schulterproblemen vor, mit der Fragestellung, welche Therapie die beste für den jeweiligen Patienten ist. Viele benötigen eine OP, sodass sie auf unseren nächsten Aufenthalt vertröstet werden müssen. Am späten Nachmittag fahren wir nach Managua zum Flughafen. Dr. Kolbe und seine Frau bleiben noch in Nicaragua, um auszuloten, ob wir in anderen Städten wie Rivas oder Leon weitere Arthroskopiestützpunkte etablieren können.

Samstag, 5. November 2016
Rückflug nach Hause, diesmal über Panama und Amsterdam und nicht wie beim Hinflug über Atlanta, Ankunft in Stuttgart am frühen Nachmittag, leider kam unser Gepäck nicht mit, wie wir nach langem Warten am Gepäckband zur Kenntnis nehmen mussten. Am nächsten Morgen geht es dann um 8 Uhr in der Praxis mit der Sprechstunde weiter.