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Aktueller Reisebericht

Reisebericht Nicaragua November 2016

Reiseteilnehmer:

- Dr. Johannes Kolbe, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
- Dr. Dieter Emmert, Facharzt für Chirurgie, Orthopädie, Unfallchirurgie
- Dr. Hartmut Maier, Ingenieur für Klimatechnik
- Frau Daniela Emmert, Dokumentation
- Frau Andrea Kolbe, Apothekerin
- Frau Karin Maier, Krankenschwester, Schwerpunkt Krankenhaushygiene

Freitag, 28. Oktober 2016
Abflug mit Delta von Stuttgart über Atlanta nach Managua, wo wir gegen 20 Uhr abends ankommen. Im Gegensatz zu unserem letzten Aufenthalt im Februar diesen Jahres passiert unser Gepäck mit OP- Instrumenten, Einmalartikel und Ankern für Schulteroperationen problemlos den Zoll. Außer den geplanten arthroskopischen Operationen ist vorgesehen, dass Dr. Maier die Klimatisierung in den Krankenhäusern in Augenschein nimmt und Verbesserungen in Hinsicht auf Wartung und Pflege der Anlagen unter besonderer Berücksichtigung der Hygiene vorschlägt, Frau Maier mit dem Pflegepersonal auf Station und im OP Verbesserungen der Hygiene zum Schutz der Patienten, aber auch zum Selbstschutz des Personals bespricht und entsprechende Einweisungen gibt ( saubere Hände!), Frau Kolbe Ordnung und Systematisierung der Krankenhausapotheken vornimmt.

Samstag, 29. Oktober 2016
Wir nehmen die beiden Pickups bei der Autovermietung in Empfang und fahren zunächst nach Granada am Lago de Nicaragua, um den Mitreisenden, die erstmalig in Nicaragua sind, einen Eindruck von dem Land zu verschaffen. Es ist der Abend von Halloween und in den Straßen von Granada wird mit Masken und viel Lärm und lauter Musik gefeiert.

Sonntag, 30. Oktober 2016
Nach einem kurzen Besuch am Lago de Nicaragua fahren wir weiter nach Estelí im Norden Richtung Grenze zu Honduras. Wir benötigen länger als geplant und müssen die letzte Stunde im Dunkeln fahren, bei den lateinamerikanischen Verkehrsverhältnissen manchmal ein riskantes Unterfangen. In Estelí erwartet uns Dr. Uriel Diaz an einer Tankstelle und wir checken im Hotel ein, ganz ordentlich mit heißer Dusche und passablem Restaurant. Wir besprechen mit Uriel die Planung des nächsten Tages, die Patienten für die Operationen sind so einbestellt, dass Dr. Kolbe und ich den ganzen Tag im OP sein werden, die anderen Reiseteilnehmer wie vorgesehen sich mit der Krankenhaushygiene, der Klimatisierung, der Apotheke und der Dokumentation beschäftigen.

Montag, 31.Oktober 2016
Um 8 Uhr fängt das OP- Programm an, Uriel hatte versprochen, dass die Wechselzeiten zwischen den OPs nicht mehr als 15 Minuten dauern werden, was jedoch sich manchmal auf 45 Minuten ausdehnt, weil die Instrumente nicht sterilisiert sind oder das Personal eine Pause benötigt. Uriel hatte im Vorfeld eine gute Auswahl von Patienten mit Instabilitäten der Schulter und der Kniegelenke getroffen. Wir assistieren Uriel soweit wie möglich die OPs, und wir können feststellen, dass er gute Fortschritte gemacht hat und auch schwierigere OPs am Knie wie Kreuzbandplastiken selbständig und sicher durchführen kann. Wir operieren gemeinsam einige Schulterinstabilitäten nach mehrfacher Luxation( Verrenkung), hier ist noch Lernbedarf für Uriel. Ich denke, dass in Nicaragua diese Schulterinstabilitäten sehr häufig sind und die Patienten von einer gelungenen OP sehr profitieren, weil sie nicht mehr befürchten müssen, dass bei jedem Hochheben des Armes die Schulter auskugelt.

Dienstag, 1.November 2016
Auch heute wieder gedrängtes OP- Programm, wir wollen spätestens um 15.00 Uhr nach Jinotepe fahren, um nicht in die Dunkelheit zu kommen. Wegen des dichten Verkehrs auf der Panamericana müssen wir dann doch die letzte Stunde im Dunkeln fahren, und das dann auch bei einem heftigen Wolkenbruch. Die nächsten Tage werden wir in Jinotepe verbringen, im Hotel in Diriamba kennt man uns schon von zahlreichen vorausgegangenen Aufenthalten.

Mittwoch, 2.November 2016
Beginn unserer Arbeit im Krankenhaus, die Ehefrau des Präsidenten Daniel Ortega, Rosario Morillo, hat den 2. November zum Feiertag erklärt, weshalb das Krankenhauspersonal eigentlich einen freien Tag hat, aber Oskar konnte organisieren, dass wir im OP und unsere Begleiter in ihren Bereichen- Klimatechnik, Apotheke, Krankenhaushygiene jeweils Krankenhausmitarbeiter zur Seite hatten. Oscar hat ein anspruchsvolles OP- Programm vorbereitet, sodass für die nächsten drei Tage neben vorderen Kreuzbandplastiken und Schulterstabilisierungen auch drei Operationen von hinteren Kreuzbändern anstehen. Hintere Kreuzbandverletzungen sind in Deutschland eine ausgesprochene Rarität, wahrscheinlich sind in Nicaragua die zahlreichen Motorradunfälle mit großer direkter Gewalteinwirkung auf das Knie ursächlich.

Donnerstag, 3.November 2016
Wie am Vortag volles OP- Programm bis zum Abend. Eigentlich hatten wir gehofft, im Anschluss an das OP- Programm zum Pazifikstrand fahren zu können, aber als wir endlich fertig waren, ist es schon dunkel geworden. Abends treffen wir uns zu einem letzten Austausch mit Oscar. Die 4 Paletten mit OP- Ausrüstung, einem Arthroskopieturm, Abdeckmaterialien, Ankern für Schulterstabilisierungen usw., die wir vor einigen Wochen aus Deutschland verschifft hatten, sind in Managua angekommen und müssen in den nächsten Tagen vom Agenten der Spedition durch den Zoll gebracht werden. Wir können mit Freude feststellen, dass sich unsere Bemühungen über die Jahre, Oscar zum versierten Arthroskopeur zu machen, gelohnt haben. Er macht routiniert und zügig die Eingriffe, sodass er nur noch ein wenig Input für Schulter-OPs braucht. Mittlerweile hat es sich in der Region herumgesprochen, und die Patienten kommen mit ihren Knie- und Schulterproblemen aus einem weiten Umkreis zu ihm zur operativen Versorgung.

Freitag, 4.November 2016
Letzter OP- Tag in Jinotepe. Oscar hat für heute 2 vordere Kreuzbandoperationen, eine Schulterstabilisierung und eine Epiphysiodese zur Achskorrektur bei einem 10- jährigen Mädchen mit starkem X- Bein vorgesehen. Zwischen den OPs stellt er uns wie auch an den vorausgegangenen Tagen Patienten mit Knie und Schulterproblemen vor, mit der Fragestellung, welche Therapie die beste für den jeweiligen Patienten ist. Viele benötigen eine OP, sodass sie auf unseren nächsten Aufenthalt vertröstet werden müssen. Am späten Nachmittag fahren wir nach Managua zum Flughafen. Dr. Kolbe und seine Frau bleiben noch in Nicaragua, um auszuloten, ob wir in anderen Städten wie Rivas oder Leon weitere Arthroskopiestützpunkte etablieren können.

Samstag, 5. November 2016
Rückflug nach Hause, diesmal über Panama und Amsterdam und nicht wie beim Hinflug über Atlanta, Ankunft in Stuttgart am frühen Nachmittag, leider kam unser Gepäck nicht mit, wie wir nach langem Warten am Gepäckband zur Kenntnis nehmen mussten. Am nächsten Morgen geht es dann um 8 Uhr in der Praxis mit der Sprechstunde weiter.